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Foto: Shaw Family Archives

Von Gabriela Walde

Sam Shaw war der Busenfreund von Marilyn Monroe und machte ganze besondere Fotos von der Diva. Sie sind jetzt in Charlottenburg zu sehen.

Als Marilyn Monroe irgendwann erkannte, dass ihr Leben als Sexbombe irgendwie schief lag, da war ihre dritte Ehe mit Schriftsteller Arthur Miller längst kaputt und es für den Absprung zu spät. Getrieben wie sie war, machte sie manchmal Dinge, die sie gar nicht nötig hatte. Einmal wollte sie ihre härteste Konkurrentin ausstechen, die hieß Liz Taylor. So zog sie sich bei einem Shooting am Pool nackt aus, obwohl das gar niemand von ihr verlangt hatte. Sie musste unbedingt auf ein Magazincover und die Liz hinwegfegen. Doch während die Filmdiva alterte, wird Marilyn Monroe für immer jung bleiben. Zumindest in ihren Fotografien, jenen, die Sam Shaw von ihr machte, und die jetzt in den charmanten Altbauräumen des Verlegers Thomas Lardon in Charlottenburg zu sehen sind.

Es gibt viele Fotografen, die M.M. von ihrer vermeintlich besten Seite zeigen wollten, Bert Stern, Lawrence Schiller oder Modegott Richard Avedon. Jeder wollte der Beste sein, jeder wollte für sich das heißeste Shooting mit der Blondine verbuchen. Mit Sam Shaw war das eine andere Sache, er war Marilyns Busenfreund, kam ihr privat nah, die beiden trafen sich oft. Der Fotograf hatte einen Vorsatz und der hieß: Verzicht auf arrangierte Motive und künstliche Posen. Als Pressefotograf wusste er, wie das funktionierte. Spontan sein, aus der Situation heraus mit der Kamera agieren. Ob die beiden etwas hatten? Sam Shaw hat das nie richtig kommentiert.

Shaw-Fotos entstanden in den 50er-Jahren

Die Shaw-Fotos, die wir jetzt bei Lardon sehen, entstanden in den 50er-Jahren. Man kann sagen, bei ihm findet Marilyn zu sich selbst. Sie scheint nahbar, verletzlich, normaler. Diese Jahre in New York gelten in ihrer Biografie als die glücklichsten, wohl entspanntesten. Hollywood ist fern, vor allem ist sie bis über beide Ohren verschossen in Arthur, der sie in eine ganz andere Welt mitnimmt.

Shaw fotografiert Marilyn Monroe beinahe wie die Frau von nebenan, die ihre Gewichtsprobleme hat, die auf Diäten pfeift, sich allen Pfunden zum Trotz im weißen Badeanzug zeigt, die auf der Parkbank gemütlich Zeitung liest. Halb Mädchen, sehnsüchtig, halb coole Göttin, der schon mal der schwarze Eyeliner verrutschen darf. Und eine Frau, die gern barfuß geht, barfuß telefoniert und dabei wunderbar zerstreut eine Haarsträhne um den Finger wickelte. Auf jeden Fall: unglaublich gelöst, mit einem Schuss Erotik. Eins aber konnte das Hollywood-Girl nicht, Fußball spielen. Als sie 1957 den Anstoß für das Spiel Israel gegen USA gab, brach sie sich gleich zwei Zehen. Auf dem Foto sieht man sie jedenfalls lachend zwischen den Fußballern stehen. Wahrscheinlich wollte Shaw so ein richtiges blondes Männerbild machen, aber das mit den Zehen lief dann eben daneben.

Recherche am Central Park

Thomas Lardon feiert mit dieser kleinen Monroe-Hommage in den eigenen Räumen ein zehnjähriges Jubiläum. Ein alter Musikschrank steht in der Ecke, üppige rote Rosen in mehreren Vasen – die Diva würde sich geehrt fühlen. Als Lardon 2004 die Rechte für diese damals unveröffentlichten Fotos aus den Jahren 1954 bis 1958 von Sam Shaw erhielt, war das eine Sensation. Der Bildband „Marilyn – The New York Years“ entstand und eine Ausstellung in Berlin folgte. Die Resonanz war groß, die „Berliner“ Monroe ging durch die Medien, die Morgenpost berichtete, die Tagesthemen, BBC London schickte eigens eine Reporterin. Lardon wurde sogar live in die Talkschau zu „Larry King“ geschaltet. Der war, so bleibt es jedenfalls in Lardons Erinnerung, etwas grummelig darüber, dass Fotos der „American icon“ ausgerechnet von einem Berliner entdeckt wurden.

Lardon hatte Sam Shaw in seinem New Yorker Apartment am Central Park besucht. Die vergessenen Monroe-Bilder lagerten dort in Hunderten Kartons mit anderen Promi-Porträts. Dass der New Yorker Fotograf diese Fotos überhaupt rausrückte, meint Lardon, hing damit zusammen, dass er in Berlin gerade einen Bildband über Romy Schneider produziert hatte. „Das überzeugte ihn, das war wie eine Visitenkarte“, erzählt Lardon.

Doch jetzt soll endgültig Schluss sein mit M.M., sagt Lardon. „Du mit deiner Monroe“ würde einige Freunde schon feixen. „The Final Show“ titelt er also die Ausstellung, die Fotos stehen zum Verkauf.

Copyright: Berliner Morgenpost, 7.3.2015